Segelkurse
Mann über Bord...
9.8.2007. Jeder, der den Segelschein hat, hat vorher das „Mann über Bord“ Manöver geprobt. Klar. Das wird bei jeder Prüfung verlangt. Ehrlich gesagt: wer nicht anlegen kann, hat trotzdem gute Chancen, den Segelschein Binnen zu bekommen: Das Anlegen wird nicht bei Jedem geprüft. Auch wer nicht schiften kann hat gute Chancen, die Prüfung zu bestehen.
Aber das „Mann über Bord“ Manöver muss bei praktisch jeder Prüfungsfahrt gezeigt werden. Leider reicht es nicht alleine aus, den Mann zu erreichen…
Es ist eines der schwierigsten Manöver, dem sich ein Segelanfänger ausgesetzt sieht. Man muss alle vorher gelernten Einheiten in einem Manöver bewältigen: Wer nicht genau auf raumen Wind abfallen kann, hat den ersten Grundstein gelegt, das Manöver zu versauen. Wer die Q-Wende vermasselt, weil sie ihm im Gegensatz zur normalen Wende verdächtig lange dauert, macht den zweiten Fehler. Und wer dann nicht halben Wind fährt, sondern, wie ein Pferd mit Stalldrang, schon ein bischen mehr auf die Boje zuhält, anstatt eben halben Wind zu fahren, der hat den Misserfolg schon sicher: Der Mann wird nicht erreicht. Der Platz zum Aufschießen fehlt.
Alles also schwer genug.
Dabei ist das Erreichen des Ziel nicht einmal die Hälfte der Arbeit – der Job wird richtig heftig, wenn man einen Menschen bergen muss. Die Boje, die üblicherweise zur Übung verwendet wird, wiegt vielleicht 400 g. Und die ist mit einer halben Hand schnell an Bord gebracht. Am letzten Wochenende haben wir unter sehr guten Bedingungen versucht, echte Menschen an Bord einer Fam zu bekommen.
Die echten Menschen waren: Julian. Mit seinen 11 Jahren und seinen rund 40 KG kann das noch gehen… denkt man… Bis man es versucht.
Unsere Crew hatte echte Schwierigkeiten, den Jungen an Bord zu hieven. Es waren drei Probanden an Bord, dazu ich und (zumindest zeitweise, weil der meist im Wasser war) Julian. Ich habe gesagt, dass ich mich nicht einmische. War sozusagen „Toter Mann“. Julian war im Wasser. Silvia und Eva hatten enorme Schwierigkeiten, die Tücken der Schwerkraft und des dann doch hohen Freibords zu überwinden. Richtiggehend geschockt war Eva, als ich dann den Mann über Bord spielte – und signalisierte, dass ich keine Kraft mehr habe, zu meiner Rettung beizutragen.
Ich wiege im Moment ziemlich genau 70kg, bin also kein Schwergewicht.
Die Situation: Eva und Silvia haben mich gefasst, sehen aber kaum Möglichkeiten, mich ins Boot zu bekommen. Einfach heben klappt nicht – das scheitert, obwohl Eva nach ihrer Einschätzung „durchaus kräftig“ ist. Der Körper ist nass. Kräftige Griffe an Arm und Oberschenkel wirken nicht, weil das Wasser alles so rutschig macht.
Dazu kommt, dass die Rettungscrew ihre körperlichen Kräfte gar nicht optimal entfalten kann, weil sie sich in Zwangshaltung an die Bordwand drückt und vielleicht maximal 70% ihrer Hebekraft einsetzen kann – wenn überhaupt.
Außerdem hat Henning am Ruder zunehmend Schwierigkeiten, dass Boot ruhig im Wind zu halten. Völlig klar: bei fast stehendem Boot kommt er ins Driften, schließlich packt der Wind von irgendeiner Seite, und er kann fast nichts dagegen tun. Motor hat unsere FAM nicht. Seinen Platz verlassen um zu helfen kann er aber auch nicht – dann wäre das Boot steuerlos.
Eva ist fassungslos, wie schwer es ist, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Sie will das noch mal üben. Aber auch die Folgeversuche fallen nicht sehr zufriedenstellend aus. Ich schätze es sehr an Eva, dass sie weiter üben will: Es passt ihr überhaupt nicht, dass die Situation in weiten Teilen so unkontrollierbar ist.
Meine Empfehlungen:
1.) Üben, üben, üben – alleine, um die praktischen Probleme zu erkennen.
2.) Nachdenken – und zwar bei gutem Wetter, um die jeweiligen Gegebenheiten des Bootes zu kennen und zu nutzen.
3.) Kein Boot ist wie das andere. Man muss das jeweilige Boot gut kennen, um Jemanden hereinzuholen, der rausgefallen ist. Beim einen Boot geht es gut über den Spiegel, beim anderen besser auf der Seite – wenn man es krängen kann, um das Freibord zu senken.
4.) Ohne Motor sind länger andauernde Rettungsmanöver fast aussichtslos. Der Rudergänger hat keine Chance, das Boot auf längere Zeit unter Segeln im Wind zu halten. Der am Boote klebende Über-Bord-Gegangene wird praktisch zu einem schwer kalkulierbaren Teil des Lateralplanes.
5.) Einer muss die Befehlshoheit haben – unorganisierte Manöver führen zu Hilf- und Tatenlosigkeit der Einzelnen. Zum Teil arbeiten sie gegeneinander.
6.) Wer sicher ist, dass er es kann, macht einen Denkfehler: er kann es nur auf seinem Boot.
7.) Noch einmal: üben, üben. üben. Am besten bei guten Bedingungen.
ras
Prüfung bestanden - wir haben neue Segler
(16.6.07) Sie haben gelernt, wo Luv und Lee sind, sie haben eine Wende gemacht und erfahren, warum eine Halse ein riskantes Manöver sein kann, und mittlerweile legen sie das Boot zentimetergenau an den Steg: Unsere Segelschüler sind ehemalige Schüler - nunmehr im Besitz des Sportbootführerscheins Binnen unter Segeln und Motor. Glückwunsch!
Unser kleiner Verein hat vier neue Mitglieder, die sich an das Abenteuer "Segeln" heran getraut haben. Drei von ihnen haben bestanden. Der Vierte muss in die Nachprüfung "Theorie" - er hatte geplant, die Theorie alleine zu lernen. Das hat nicht geklappt.
Ich denke schon, dass man die Theorie alleine lernen kann - allerdings sollte man die Aufgabe nicht unterschätzen.
Der Segelschein ist am Ende ein Führerschein für ein Fahrzeug - nur eben auf dem Wasser. Die Theorie umfasst (ich habe das nicht gezählt, sondern schätze das mal) rund 580 Fragen.
Da ist natürlich die ein oder andere dabei, die man sich selbst auch mit Buch nur schwer erklären kann.Deswegen plädiere ich als Ausbilder dafür, den Theoriekurs auch mit zu machen.
Am kommenden Wochenende freue ich mich darauf, die ehemaligen Schüler dabei zu sehen, wie sie alleine ihre Segelboote fertig machen, und wie sie alleine oder zu zweit oder dritt lossegeln und wenden und halsen... und wenden und halsen. ras
Neue Führerscheinregelung?
Hallo Leute,
wir hätten da ein kleines Problem: das Bundesverkehrsministerium und
diverse Wassersportverbände diskutieren zur Zeit darüber, das
Führerscheinwesen neu zu regeln.
Die Seglerszene -- angeführt von der Zeitschrift "Yacht" läuft Sturm
dagegen.
Die Gründe sind einfach: Die Segler fürchten mehr Bürokratie, mehr
Verwaltungskosten, die natürlich von den Seglern zu bezahlen wären, und
mehr Führerscheinkuddelmuddel.
Die ersteh Informationen scheinen zu bestätigen, was der gesunde
Menschenverstand befürchtet: Wo sich Politiker und Verbände einmischen,
geht es ans Geld, und es wird kompliziert.Bisher gilt:
Der Sportbootführerschein Binnen unter Segeln und Motor ist ein
amtlich vorgeschriebener Schein für Binnengewässer. Den braucht man
also, wenn man binnen segeln will.
Der Sportbootführerschein See ist der amtlich vorgeschriebene
Schein für Boote, mit denen man die Deutschen Seeschiffahrtsstraßen
befährt. Auch den braucht man von Gesetzes wegen.
Beide Scheine gelten, wenn man sie einmal hat, auf Lebenszeit.
Alle andere Scheine (SKS, SSS und SHS) sind freiwillige Scheine;
die macht man nur, weil man sich selbst weiterbilden will.
Künftig soll es komplizierter werden: Beispielsweise sollen
Sportbootführerschein Binnen und See zusammen gelegt werden. Dabei wird
diskutiert, die Gültigkeitsdauer zu beschränken. Das könnte so aussehen,
dass man zu bestimmten Zeiten Nachschulungen machen müsste.
Ebenfalls diskutieren Politiker und Verbände, dass der Schein nur noch
auf bestimmte Gewässer begrenzt wird.
Außerdem befürchten die Kritiker, dass auf mittlere Sicht der SKS
(Sportküstenschifferschein) zur Pflicht wird.
Wer sich für Details interessiert (und davon gibt es noch viele), dem
empfehle ich den entsprechenden Artikel in der "Yacht", Ausgabe 7 / 2007.
Ich empfehle Allen, die den Sportbootführerschein Binnen haben (oder ihn
gerade machen), schnellstmöglich den Sportbootführerschein See hinterher
zu machen. Zumindest dann, wenn Ihr in absehbarer Zeit auf der Ostsee
chartern wollt.
Begründung: Egal, was da demnächst beschlossen wird -- wer diese beiden
Scheine hat, hat dann den sogenannten Bestandsschutz. Das heißt: Man
darf damit auch in Zukunft die Gebiete befahren, die aktuell gelten.
Ich habe mit der "Yachtschule Harkortsee" eine Vereinbarung
getroffen. Danach erhalten Mitglieder des BS Hagen einen Rabatt von 10%
auf die normalen Kursuskosten des Sportbootführerscheines See.
Die Internetadresse der Schule: www.yachtschule-harkortsee.de
Ansprechpartner ist Lutz Heinbach.
Wann aus den Plänen Gesetze werden, ist noch nicht klar. Laut "Yacht"
sollen entsprechende Entscheidungen noch in diesem Jahr fallen.
Gruß: Ralf Schaepe
Was Sie schon immer über …
Guten Tag.
Sie denken darüber nach, eventuell segeln zu lernen?
Herzlichen Glückwunsch – Sie sind dabei sich einem Hobby zu nähern, das
man in jedem Lebensalter betreiben kann, und das das Leben in mehrfacher
Hinsicht bereichern kann. Aber dazu später mehr.
Besser wäre es, zunächst ein paar Fragen zu beantworten:
Ist segeln eigentlich teuer?
Nein, entgegen hartnäckigen Vorurteilen ist es das nicht. In meinem
Verein beträgt der Beitrag keine 40 Euro. Wohlgemerkt: Ich rede hier vom
Jahresbeitrag. Wir haben derzeit sechs Boote mit unterschiedlichem
Segelverhalten. Welches Sie nutzen, wenn Sie ihren Segelschein haben,
ist eine Frage kurzer Absprache.
[mehr]
Der Sportbootführerschein Binnen
Der Sportbootführerschein-Binnen wird als amtlicher Führerschein nach den Vorschriften der Sportbootführerscheinverordnung-Binnen für Sportboote mit Antriebsmaschine, unter Segel und für Segelsurfbretter erteilt. Für das Befahren der Binnenschiffahrtsstraßen der Bundesrepublik Deutschland mit einem Sportboot mit Antriebsmaschine von mehr als 3,68 kW (5 PS) schreibt der Bundesminister für Verkehr den Sportbootführerschein-Binnen mit Antriebsmaschine vor. Für das Befahren der Berliner Gewässer gilt eine umfassendere Fahrerlaubnispflicht für alle Arten von Motorbooten, unabhängig von der Leistung der Antriebsmaschine, sowie für Segelboote und Surfbretter ab 3 qm Segelfläche. Die Prüfung zum Erwerb des amtlichen Sportbootführerscheines-Binnen besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Prüfungsteil.